Freitag, 17. April 2009

Buchhalter um 1930

Liebe Wilhelmina,

hätte ich in den 30ern meinen Beruf ausgeübt, wäre dieses Kontenbuch sicher auch eins meiner Hauptarbeitsutensilien gewesen. Gewiss hätte ich dann auch immer brav Ärmelschoner getragen und alle Eintragungen ins Kontenbuch oder ins Amerikanische Journal fein säuberlich mit Feder und Tinte vorgenommen. Und dazu noch Kopfrechnen!
Wie hat sich doch alles in den rund 70 Jahren danach geändert.
Um zu verstehen wie Buchhaltung funktioniert habe ich in meiner Ausbildungszeit in den 80ern noch das Arbeiten mir dem Amerikanischen Journal gelernt, obwohl es damals für Buchhalter schon Erfassungsgeräte mit Kassettenspeicherung gab. Über die Lochstreifen waren wir da schon hinaus. Die Kassetten wurden in ein Rechenzentrum geschickt und alle Auswertungen kamen mit der Post zurück.
Und heute? Ja, heute geht ja alles sooo schnell mit dem PC. Ach ja? Wieso wird die Arbeit dann immer noch nicht schneller fertig? Wieso haben Buchhalter nicht mehr Freizeit als von 70 Jahren? Kannst Du mir das bitte sagen?
Wahrscheinlich weil Buchhalter garnicht so viel Freizeit brauchen, dafür arbeiten sie nämlich viel zu gern. Ich arbeite jedenfalls immer noch gern, bin froh, dass ich keine Ärmelschoner tragen muss aber bedauere ein bisschen, dass man die Arbeit nicht als kreative Werke im Blog vorstellen kann.
"Oh seht mal, diese wunderschöne Summen- und Saldenliste, oder diese toll abgestimmte OPOS-Liste" geht einfach nicht.

Daher zeige ich Dir heute dieses wunderschöne alte Kontenbuch. Mein Kölner Großvater hatte seine Werkstatt unter dem Ehrenfelder Bahnhof (ja, gleich da wo der Leuchtturm steht). Der Vormieter hatte wohl wenig Lust gehabt das schwere Buch mitzunehmen, vielleicht war es nach dem Krieg auch nicht mehr wichtig. Und so blieb es ewige Zeiten dort in der Werkstatt, bis es irgendwann den Weg zu uns nach Hause fand.
Sieh nur wie schön Buchhaltung sein kann.







Mir hat das Buch jedenfalls immer besonders gut gefallen und ich spitzte immer die Ohren wenn mein Vater über die Buchhaltung sprach... und so wurde ich was ich nun bin.


Buchhalter und mehr um 2000irgendwas.

Kommentare:

  1. Liebe Maria,

    Dein Bericht und die schönen Fotos wecken Erinnerungen. In der Lehre (in den 60ern) benutzte man noch Amerikanische Journale. Als ich beim Steuerberater arbeitete, gab es auch schon Disketten, die nach Nürnberg geschickt werden mussten. Später hatte ich nicht mehr direkt mit der Buchhaltung zu tun. Für Controlling zuständig nutzte ich noch die Daten - und ich war sehr froh, dass es den PC gab!

    Einen schönen Tag in der Buchhaltung wünscht Dir

    heidi

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  2. Huhu Heidi,
    da kennst Du Dich ja auch bestens aus und weißt womit ich mir die Zeit vertreibe. Ja, ohne PC und Excell läuft nichts mehr.
    Nostalgie ist ja schön, aber alles will man dann doch nicht zurück haben.

    Schöne Grüße aus der Buchhaltungspause
    Maria

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  3. Tja, und jetzt geschieht alles auf Maus- und Tastendruck. In 200 Jahren wird man nicht mehr so ein schönes Buch finden und Erinnerungen daran haben, leider! Darum erfreu dich daran umso mehr!!
    Liebe Grüsse
    Sabine

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  4. Oh das ist wirklich schön...ja, auch ich finde das sogar alte Kontenbücher ihren Reiz haben können. Ausserdem finde ich es schön das dein Beruf in eurer Familie weit zurückreicht...das hat sowas romantisch-nostalgisches an sich ;-).
    Sei lieb gegrüsst
    Tina

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Danke, dass Du mir was Nettes schreiben willst.